„Ist das Gut? Nein, aber russisch!“ – Meine neue alte Ural


Durch Marc erfuhr ich vor einigen Jahren zum ersten Mal von der Existenz von Ural.

Ein großes graues Teil. Mit Seitenwagen.

Das Motorrad, nicht Marc.

Ich fand sie irgendwie interessant, mehr aber auch nicht.

 

Als ich nach Hamburg zog fing ich bei Louis an. Jeder wird jetzt natürlich an schnellen Versand und kompetente Beratug denken (oder auch nicht).  Als Mitarbeiter ist es dort jedoch auf Dauer gar nicht so toll. Zumindest nicht wenn man gerne Motorrad fährt und Wochenendtouren macht. Samstagsarbeit bis 20 Uhr macht sowas etwas schwierig bzw. unmöglich. Soziale Kontakte kamen zum erliegen, die allgemeine Motivation ebenso.

Kurzum ich war nicht mehr gewillt dort zu arbeiten.

Durch einen guten Freund wurde ich darauf aufmerksam gemacht, das in einer befreundeten Firma ein neuer Mitarbeiter gesucht wurde. Einen der Mitarbeiter kannte ich schon durch eine frühere Aktion, sodass ich spontan hinfuhr und kurz darauf einen neuen Job hatte. Mit mehr Geld, mehr Freizeit, weniger Spinnern und mehr dreckigen Fingern.

Besagte Firma beschäftigt sich mit russischen Fahrzeugen und Ersatzteilen.

Durch die Arbeit beschäftige ich mich dann natürlich sehr intensiv mit russischen Fahrzeugen, was irgendwann dazu führte das ich mit meiner Freundin und dem Gespann meines Kollegen an die Ostsee fuhr.

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Das Fahren ist durchweg roh, ehrlich und echt. Keine Assistenzsysteme, oder Ride by Wire Teile die einem vorgaukeln etwas zu können. Allerdings eben auch kein Komfort: Kein E-Starter, keine Scheibenbremsen, kein Fahrwerk. Jedenfalls keines das den Namen verdient.

Ich wette die Höhlenmenschen sind schon Ural gefahren, wenn die Mammuts mal krank waren!

Da keimte irgendwie der Wunsch auf auch sowas zu haben. Da ich kein Auto habe war natürlich schnell ein guter Grund gefunden 😉 Immerhin muss man immer mal etwas transportieren oder umziehen! Es ist zwar kein Kleinbus, aber man kann locker 3 Kisten Bier transportieren!  Oder Bobbycars.

Jedenfalls fahre ich nun seit fast 3000km ein 92er Ural 650 Inlandsgespann mit Dnepr Beiwagen.

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Anfänglich mit ungebremsten Beiwagen, was ich nun aber geändert habe: Die russischen Trommelbremsen sind eben sehr russisch. Da ist eine dritte Bremse schon eine enorme Erleichterung! Die brachialen 30 PS „beschleunigen“ das Gespann in gefühlten 60 Sekunden von 0 auf 80 ( Sie läuft lt. Tacho ~105 ). Darum geht es aber eben nicht.

Das Gespann ist eher Entschleunigung und Reduzierung. Distanzen stellen sich plötzlich ganz anders dar. Schnittgeschwindigkeiten von rund 50 km/h sind normal, alles drüber ist pure Heizerei 😉

Technisch ist es für russische Verhältnisse solide: Vernünfitge Vergaser ( mit Choke!), eine Zündspule Made in Germany, deutsche Lager, deutsche Dichtungen. Was mir noch nicht so gefällt sind die Halbnaben-Räder. Diese werden wohl im Frühjahr gegen Vollnaben getauscht. Samt Edelstahlspeichen und pulverbeschichteten Felgen. Falls nun jemand aufschreien sollte, das Edelstahlspeichen spröde und im Gespann schlecht sind: Ich bin kein „Biker“ der dreistellige Werte auf die Waage bringt.

Der Sozius Sitz wurde gegen einen kleinen Gepäckträger getauscht und auch den Beiwagen ziert nun ein selbstgebauter Träger. Steckdose für Telefon und eine russische Bordsteckdose wanderten in den Beiwagen und die eckigen Russenleuchten wurden gegen runde Hella Scheinwerfer getauscht.

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Die erste größere Fahrt ging nach Römö. 800km mit nur leichten Defekten: Ein Schwimmer war durch Salzwasser etwas fest und zwei Kontakte waren ebenfalls korrodiert. Dies schiebe ich jetzt aber mal auf das Salzwasser und nicht auf die schlechte russische Verarbeitung. Die Felgen allerdings mochten das Salz gar nicht. Hier muss ich mir dringend überlegen wie ich diese im Winter gegen Salz schütze.

Die nächste grosse Fahrt steht nämlich schon fest: Ende November geht es zu einem sehr guten Freund nach Schottland! Der Kofferraum ist bereits voll mit Ersatzteilen, getreu dem Motto: Was man dabei hat geht nicht kaputt!

In diesem Sinne: Dawai!

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Kategorien: Meine Moppeds, Nebenbei, Reisen | Schlagwörter: , , | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „„Ist das Gut? Nein, aber russisch!“ – Meine neue alte Ural

  1. Hallo,
    für den Winterbetrieb hat sich bei uns „Fluid-Film AS-R“ (400ml Sprühdose) bewährt.
    http://fluidfilm.de/produkte/as-r/189/

    • Hallo Ralf,
      ich habe nun Motorversiegelung aufgetragen und habe zusätzlich Scottoiler FS365 im Beiwagen. Ich bin gespannt 😉

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