Ausflüge

Oh, so you are touring with your Sidecar?

Das Wetter in Deutschland war schlecht, als ich Donnerstags Abends von Hamburg mit der Ural nach Osnabrück aufbrach. Immerhin war es noch ein bisschen hell. Der erste Zwischenstop war dann, mittlerweile im dunkeln,  nach 200km bei Gernot in Venne. Aufwärmen war angesagt. Es regnete zwar nicht, war aber dezent kalt. Nach einem kleinen Kaffee kam dann eine Frage auf die meine Antwort auf etwas unverständis stieß:

P1: „Du fährst nach Schottland, im November?“ Ich:“Ja.“ P1:“Aber nich mit`m Russen, oder?“ Ich:“Doch“ P2:“Ja, der hat`se nich mehr alle!“

Die Ural hat drei Räder und einen Boxer. Ich konnte weder umkippen ( dachte ich ), noch musste ich Angst vor kalten Füßen haben.

Am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Ijmuiden bei Amsterdam. Der Burger von letzen Abend lag mir noch etwas im Magen und es war noch dunkel, dementsprechend verhalten war meine Stimmung.

Irgendwann kam jedoch die Sonne raus und nachdem der Kaffee langsam seine Arbeit verrichtete, hob sich auch meine Stimmung merklich!

Kaiserwetter!

Kaiserwetter!

 

Selbst die 250km Autobahn mit einem Fahrzeug welches Strich 80 waren mir egal. Ich surfte gediegen der Fähre entgegen und immerhin hatte ich, dank Abfahrt um 6 Uhr morgens, endlich mal wieder die Möglichkeit das Frühstück bei McDonalds zu „geniessen“ 😉

Mjam!

Mjam!

Leider verabschiedete sich das Ladekabel meines Navigationsgerätes. Zum Glück war der nächsten Motorrad Zubehör Laden nicht weit. Dort kaufte ich dann zähneknirschend ein neues Universalladegerät von SW-Motech. Funktioniert super. Der Preis war mit knapp 50€ auch super. Zumindest aus Verkäufersicht. Scheiss drauf, die Stimmung wollte ich mir dadurch nicht vermiesen lassen!

In Almere besuchte ich dann noch einen guten Freund, um mich bei einem Kaffee etwas aufzuwärmen. Von dort ging es dann über den City Ring von Amsterdam die letzten 50km nach Ijmuiden.

Von dort sollte um 17:00 die Fähre nach Newcastle in England ablegen.

Warten auf das Boarding

Warten auf das Boarding

Die Ural im Bauch der Princess Seaways

Die Ural im Bauch der Princess Seaways

Das Boarding war einfach: Da die See ruhig war, musste ich das Gespann nichteinmal verzurren. Ich war nebenbei der einzige Moppedfahrer. Außerdem konnte ich mit dem Gespann einfach in der Autoschlange Platz nehmen. Meine im Vorfeld gebuchte Zweier Kabine beherbergte ich allein. Bei einem Cheese and Ham Sandwich und einem Bier genoss die Abfahrt aus Holland. Leider hatte die Skybar zu!

Kleiner Tipp am Rande: Mit einer Louis Kundenkarte gibt es bei DFDS Seaways 10% Rabatt 😉

Obwohl ich schon zweimal in Irland war (per Flieger), hatte ich es irgendwie noch nie geschafft nach England, geschweige denn Schottland zu fahren. Dieses Gefühl, aus dem Bauch eines beliebigen Transportmittel heraus in ein völlig unbekanntes und fremdes Land zu fahren ist unbeschreiblich!

Die Einreiseformalitäten waren schnell erledigt. Ich hatte im Navi erstmal Hexham, einen Ort westlich von Newcastle eingegeben. Dank Bluetooth fand das Navi seinen Platz einfach irgendwo im Beiwagen. Der erste Gedanke war: Linksverkehr!

Alles klar, also linksrum. Als erstes kamen gleich 2 größere Kreisverkehre, also perfekt zum üben. Dumm nur wenn man sich, aus Gewohnheit oder Unwissen, in die rechte „Tasche“ einordnet, was in Deutschland ja richtig wäre. In England jedoch handelt es sich dabei um die Ausfahrt für entgegenkommende Fahrzeuge. Die Autofahrer rechneten wohl mit sowas, denn sie lächelten nur milde ob meines panischen Blickes. Also schnell raus aus dem Kreisverkehr und Luft holen. Im nächsten Kreisel ordnete ich mich dann einfach hinter einem anderen Fahrzeug ein, was auch ganz gut funkionierte (Später habe ich einfach „GERONIMO“ gebrüllt um meinen Todeswillen zu unterstreichen und bin mit der Ural durchgefahren). Glücklicherweise kam ich dann recht schnell auf eine Bundesstrasse wo es erstmal 5 Kilometer Verschnaufpause gab. Von Hexham aus ging es dann weiter über Whitfield nach Alston.

Mein erstes Ziel war nämlich nicht Schottland. Im Vorfeld hatte ich mich ein wenig schlau gemacht. Bei Bekannten, und im Internet. Bei Svenja stiess ich auf das Lake District. Pässe mit bis zu 30% Steigung und wunderbare Landschaften lockten mich in diesen Teil Englands (Zufälligerweise zeltete ich sogar auf demselben Campingplatz, was aber eher daran lag das ich im Dunkeln und nach einer kleinen Panne nicht weiterfahren wollte).

Die Nebenstrasse ging bald in eine Single Track Road über. Das ist eine schmale Strasse auf der nur ein Fahrzeug Platz hat. Deshalb gibt es in unterschiedlichen Abständen Passing Places, also Ausbuchtungen an denen ein Fahrzeug wartet, während das andere vorbeifährt. Feste Regeln wer Vorfahrt hat gibt es nicht, es wartet immer das Fahrzeug, welches das andere zuerst sieht.

Single Track Road

Single Track Road

Irgendwann war mir nach einer Pause zu Mute. Da kam die kleine Strasse mit dem Sackgassenschild  genau Richtig! Es ging bergab in ein Tal. Natürlich ein Single Track. Wenn ein anderes Fahrzeug gekommen wäre hätte ich Pech gehabt. Dann hätte ich wohl 500m Rückwärts fahren müssen, denn es hätten keine 2 Fahrzeuge aneinander vorbeigepasst. Irgendwann kam ich dann in ein kleines Tal in dem ledigleich zwei Häuschen standen. Die Schafe waren den Menschen hier mindestens 15 zu 1 überlegen!

Ich hielt an einer kleinen Brücke, machte Tee und aß einen Apfel. Die Sonne schien. Was für ein genialer Start!

Pause im Tal

Pause im Tal

 

Völlig debil grinsend fuhr ich weiter.

Wetterkapriolen

Wetterkapriolen

Als es begann zu Regnen hielt ich am Hartside Café in Alston (es war Tea Time!).

 

Dort wurde die Ural mit hochgezogenen Brauen von 3 Typen beäugt, die mit ihren Sportlern ebenfalls dort standen. Nachdem ihre Annahme das dies eine BMW der Wehrmacht sei widerlegt war („It`s russian“) hellte sich deren Miene deutlich auf und wir unterhielten uns ein wenig.

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Wenn man Tee trinkt bekommt man ja irgendwann das Bedürfnis rechts ranzufahren. In Englang fährt man dann halt links ran. Ich bog in eine kleine Schotterstrasse ab. Nachdem die Pflicht getan war schaute ich mir die Strasse etwas genauer an: Sie ging in Tal hinunter. Da war ein Fluss und… Geht die Strasse dort am Horizont weiter? Also rauf aufs Mopped und los! Die Ural ist im Prinzip sehr geländegänig: 19 Zoll Reifen rundum, hohe Bodenfreiheit und (im Idealfall) eine geschobene Vorderradschwinge.

Road to Nowhere!

Road to Nowhere!

Da meine Ural leider nur eine Telegabel hat, kam ich nicht über den zweiten Gang hinaus. Ausserdem muss man bei den „typischen“ Landmaschinenstrasse mit Spurrillen etwas aufpassen. Mit einer Solo-Maschine wählt man einfach eine Spur aus und fährt. Mit einem Gespann ist die Spurbreite aber niedriger als die eines Traktors oder Landrovers. Ergo besteht die Gefahr das der Auspuff aufsetzt. Weiter rüberfahren geht aber auch nur begrenzt: Wenn der Beiwagen auf dem Grasmittelstreifen fährt und somit höher als das Motorrad ist, ergibt sich ein sehr unangenehmes Fahrgefühl. Irgendwann hatte ich aber eine Linie gefunden die passte und dümpelte so vor mich hin. Im Tal gab es einen kleinen Fluss. Umdrehen wollte ich natürlich nicht. Um die oben erwähnte Watthöhe wissend, fuhr ich ohne Probleme durch. Herrlich. Flussdurchfahrten sind irgendwie immer mit ordentlich Adrenalin verbunden. Das war schon damals in Island so.

Augen zu und durch!

Augen zu und durch!

Auf der anderen Seite des Tals ging es dann wieder hoch. Die dortige Aussicht war noch atemberaubender als die im ersten Tal:

Spaß, Spaß, Spaß

Spaß, Spaß, Spaß

Zu meiner Überraschung endete die Strasse dann in einer Sackgasse. Also umdrehen und wieder zurück. Bei den „Abfahrten“ fiel mir schon die Problematik mit den russischen Trommelbremsen auf. Bergab musste man sehr überzeugend auf die Bremsen einwirken um die Fuhre zu verlangsamen ( Später sollte das noch viel schlimmer werden! ).

Zurück auf der Strasse ging es dann weiter in Richtung Lake District. Ich kaufte bei einem Spar Markt noch schnell etwas ein und begab mich dann auf die Suchen ach einem (Wild-)Zeltplatz.

Dummerweise war jeder Fleck Privatbesitz. Es war schon dunkel und fing dann noch an zu regnen. In Keswick entschied ich mich dann dazu ein Bed and Breakfast aufzusuchen. Immerhin war es schon 21:30.

Ich fand ein süsses kleines Gasthaus und wurde dort sehr herzlich begrüsst. Noch schnell die Frühstückswünsche aufschreiben und dann ab unter die Dusche! Bei Bier und Wurst schaute ich mir dann im britischen TV noch eine Doku über die Scrambler Szene der 70er an. Sehr ordentlich dieses britische Fernsehn!

Zimmer bei Laurel Bank

Zimmer bei Laurel Bank

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E-Mob im Harz

E-Mob steht nicht etwa für einen elektrischen Wischer, sondern für elektrische Mobilität.

Matze und Marion vom Motorradschutzgebiet haben sich ganz und gar dem Thema Elektromobilität auf zwei Rädern verschrieben und haben in Osterode am Harz ein beachtliches „Arsenal“ von elektrischen Fahrzeugen zusammengetragen. Allesamt von der amerikanischen Marke Brammo.  Durch eine Versteigerung für einen guten Zweck im Winter hatte ich, zusammen mit einigen anderen, einen Tag Enertia Plus fahren „gewonnen“.

Die Enertia ist mit einem 125cm³ Verbrenner vergleichbar: 18 PS, 110km/h ( dann wird elektronisch abgeriegelt) , 150 kg, Brembo Bremsen, Marzocchi Gabel und ca. 100 km Reichweite ( je nach Körpergewicht und Fahrweise).

Die Ausfahrt mitsamt Tourguide war für Samstag geplant, also fuhr ich Freitag nach der Arbeit mit dem russischen Dreirad, also dem kompletten Gegenteil der Brammo, nach Osterode.

Die Brammo als modernes, kleines leichtes, flinkes und effizientes Fahrzeug und die Ural… na ja. Sie hat halt Charakter ( so versucht man doch technisch schlechte Fahrzeuge gutzureden, oder? ).

 

Bis Soltau über ging es über die A7 und dann über Bundes- und Kreisstrassen nach Kamschlacken, einem kleinen Örtchen, wo Bernd und Barbara eine nette kleine Pension für Motorradfahrer führen!  Die Strassen im Harz  waren ein Traum. Klein, verschlungen, kurvig, es ging rauf und runter und Menschen waren auch kaum unterwegs. Dies lag jedoch wohl auch daran das es schon fast Mitternacht war.

Die Strasse hinauf zum Hahnenklee war beispielsweise ein Traum! Dies war nach langer Zeit auch das erste Mal, das ich fahrerisch was anderes erlebt habe als Norddeutsche Tiefebene 😉

In der „Biker-Pension“ wurde ich schon sehnsüchtig erwartet. Meine werte Frau Mutter wollte ebenfalls Elektromopped fahren und hatte, da sie schon seit früher angekommen war, nichts besseres zu tun als jedem Gast mitzuteilen, das ich ja auch komme und sie sich Sorgen machte. Toll.

Als ich dann spätabends dort eintraf kannte bereits jeder meinen Namen, mein Motorrad und wo ich herkomme. Super! Also kümmerte ich mich nicht um soziale Interaktion und ging direkt zum Bier über 😉

Am nächsten Morgen ging es nach einem guten Frühstück nach Förste, einem Ortsteil von Osterode. Die Strecke dorthin war ein Traum: 15km kurvigste Landstrasse entlang des Sösestausees! Ich fuhr vor und Muddi mit ihrer CB500 hinterher. An einer Stelle überholten wir ein paar BMW Fahrer aus Bremen, die dort am Strassenrand standen.

Die waren dann recht schnell hinter uns, was einen gewissen Ansporn darstellte. In Osterode nickten sie mir dann mit nach oben gerichtetem Daumen zu. Quietschende Reifen und „Beinchen heben“ mit dem Seitenwagen kannten sie wohl noch nicht. Ich hatte jedenfalls ein fettes Grinsen im Gesicht, was auch am hervorragenden Wetter lag!

 

In Förste angekommen begrüßten wir erstmal Carola, Olli, Klappi und Gundi, sowie Tourguide Torsten.

Die Moppeds

Die Moppeds

Die Fahrer

Die Fahrer

 

Lange gequatscht wurde nicht. Nur die grundlegenden Sachen: Vernünftig fahren und die Moppeds nicht zerstören.

Nach etwa 5 „Eingewöhnkilometern“ ging es dann etwas flotter zu. Die Mopped liessen sich kinderleicht fahren: Gasgeben und bremsen. Kein Kuppeln.

Das Kontrollzentrum

Das Kontrollzentrum

 

Mit einem gut hörbaren „Klack“ wurde der (Elektro-) Motor scharfgeschaltet und dann ging es mit einem Sirren, das stark an eine S-Bahn erinnert los!

 

Der Sound ab 0:22 beschreibt die Brammo sehr gut!

Vom Handling her gleicht sie einem Fahrrad. Lediglich die Fußrasten sind etwas zu weit unten angebracht und setzen recht schnell auf.

Auffahrt zum Hahnenklee

Auffahrt zum Hahnenklee

 

Nach ca. 60 Kilometern machten wir dann eine Pause zum Nachladen der Mopped. Hierzu kehrten wir beim „Windbeutelkönig“ ein. Die Windbeutel sahen sehr lecker aus, aber ein anderes Gericht, welches ein in Göttingen geborener Bochumer einst besang grinste mich mehr an:

Die "Tankstelle"

Die „Tankstelle“

Ein ganz normaler 220V Stecker versorgt die Enertia Plus

Ein ganz normaler 220V Stecker versorgt die Enertia Plus

 

Wärend wir „auftankten“ taten die Mopped selbiges: An einer herkömmlichen Steckdose werden ca. 11% Akkukapazität pro Studne nachgeladen. Wir kamen mit vollem Akku + 1,5 Stunden laden ca. 110km weit.

Nach dem Essen ging es dann über Clausthal-Zellerfeld zurück nach Osterode. Die sog. „Angstroute“ führte bei einigen dazu das die Mopped irgendwann hektisch anfingen zu blinken, da weniger als 10% Akkukapazität übrig waren. Bei unter 5% erinnerte es an die Lichtshow einer Kirmes 😉

Auf den letzten Kilometern sirrten wir dann noch an der Gartenparty eines „Biker-Clubs“ vorbei. Die in Leder gekleideten Typen brachen in schallendes Gelächter aus als sie die Moppeds sahen. Bei allen anderen Menschen die ihre Köpfe drehten fiel die Resonanz hingegen durchweg positiv aus. Klar, die von Wochenend-Bikern geplagten Anwohner freuten sich merklich über die nahezu lautlosen Brammos.

Nach der Tour unterhielten wir uns noch etwa und fuhren anschliessend mit Olli und Carola noch auf einen Kaffee nach Osterode.

Geiles Wochenende, oder der S.M.-Gedächtnis-Daumen!

Geiles Wochenende, oder der S.M.-Gedächtnis-Daumen!

 

Alles in allem ist die Brammo ein tolles Fahrzeug, einzig die Reichweite und der Preis sind Honderungsgründe!

Eine Akkuladung reicht nicht um von Hamburg nach Bremen zu fahren. Und um sie „nur“ in der Stadt zu nutzen ist sie wiederrum zu teuer! Ich bin jedenfalls gespannt wie das ganze in 5 Jahren aussieht!

Bis dahin fahre ich weiter Ural!

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