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E-Mob im Harz

E-Mob steht nicht etwa für einen elektrischen Wischer, sondern für elektrische Mobilität.

Matze und Marion vom Motorradschutzgebiet haben sich ganz und gar dem Thema Elektromobilität auf zwei Rädern verschrieben und haben in Osterode am Harz ein beachtliches „Arsenal“ von elektrischen Fahrzeugen zusammengetragen. Allesamt von der amerikanischen Marke Brammo.  Durch eine Versteigerung für einen guten Zweck im Winter hatte ich, zusammen mit einigen anderen, einen Tag Enertia Plus fahren „gewonnen“.

Die Enertia ist mit einem 125cm³ Verbrenner vergleichbar: 18 PS, 110km/h ( dann wird elektronisch abgeriegelt) , 150 kg, Brembo Bremsen, Marzocchi Gabel und ca. 100 km Reichweite ( je nach Körpergewicht und Fahrweise).

Die Ausfahrt mitsamt Tourguide war für Samstag geplant, also fuhr ich Freitag nach der Arbeit mit dem russischen Dreirad, also dem kompletten Gegenteil der Brammo, nach Osterode.

Die Brammo als modernes, kleines leichtes, flinkes und effizientes Fahrzeug und die Ural… na ja. Sie hat halt Charakter ( so versucht man doch technisch schlechte Fahrzeuge gutzureden, oder? ).

 

Bis Soltau über ging es über die A7 und dann über Bundes- und Kreisstrassen nach Kamschlacken, einem kleinen Örtchen, wo Bernd und Barbara eine nette kleine Pension für Motorradfahrer führen!  Die Strassen im Harz  waren ein Traum. Klein, verschlungen, kurvig, es ging rauf und runter und Menschen waren auch kaum unterwegs. Dies lag jedoch wohl auch daran das es schon fast Mitternacht war.

Die Strasse hinauf zum Hahnenklee war beispielsweise ein Traum! Dies war nach langer Zeit auch das erste Mal, das ich fahrerisch was anderes erlebt habe als Norddeutsche Tiefebene 😉

In der „Biker-Pension“ wurde ich schon sehnsüchtig erwartet. Meine werte Frau Mutter wollte ebenfalls Elektromopped fahren und hatte, da sie schon seit früher angekommen war, nichts besseres zu tun als jedem Gast mitzuteilen, das ich ja auch komme und sie sich Sorgen machte. Toll.

Als ich dann spätabends dort eintraf kannte bereits jeder meinen Namen, mein Motorrad und wo ich herkomme. Super! Also kümmerte ich mich nicht um soziale Interaktion und ging direkt zum Bier über 😉

Am nächsten Morgen ging es nach einem guten Frühstück nach Förste, einem Ortsteil von Osterode. Die Strecke dorthin war ein Traum: 15km kurvigste Landstrasse entlang des Sösestausees! Ich fuhr vor und Muddi mit ihrer CB500 hinterher. An einer Stelle überholten wir ein paar BMW Fahrer aus Bremen, die dort am Strassenrand standen.

Die waren dann recht schnell hinter uns, was einen gewissen Ansporn darstellte. In Osterode nickten sie mir dann mit nach oben gerichtetem Daumen zu. Quietschende Reifen und „Beinchen heben“ mit dem Seitenwagen kannten sie wohl noch nicht. Ich hatte jedenfalls ein fettes Grinsen im Gesicht, was auch am hervorragenden Wetter lag!

 

In Förste angekommen begrüßten wir erstmal Carola, Olli, Klappi und Gundi, sowie Tourguide Torsten.

Die Moppeds

Die Moppeds

Die Fahrer

Die Fahrer

 

Lange gequatscht wurde nicht. Nur die grundlegenden Sachen: Vernünftig fahren und die Moppeds nicht zerstören.

Nach etwa 5 „Eingewöhnkilometern“ ging es dann etwas flotter zu. Die Mopped liessen sich kinderleicht fahren: Gasgeben und bremsen. Kein Kuppeln.

Das Kontrollzentrum

Das Kontrollzentrum

 

Mit einem gut hörbaren „Klack“ wurde der (Elektro-) Motor scharfgeschaltet und dann ging es mit einem Sirren, das stark an eine S-Bahn erinnert los!

 

Der Sound ab 0:22 beschreibt die Brammo sehr gut!

Vom Handling her gleicht sie einem Fahrrad. Lediglich die Fußrasten sind etwas zu weit unten angebracht und setzen recht schnell auf.

Auffahrt zum Hahnenklee

Auffahrt zum Hahnenklee

 

Nach ca. 60 Kilometern machten wir dann eine Pause zum Nachladen der Mopped. Hierzu kehrten wir beim „Windbeutelkönig“ ein. Die Windbeutel sahen sehr lecker aus, aber ein anderes Gericht, welches ein in Göttingen geborener Bochumer einst besang grinste mich mehr an:

Die "Tankstelle"

Die „Tankstelle“

Ein ganz normaler 220V Stecker versorgt die Enertia Plus

Ein ganz normaler 220V Stecker versorgt die Enertia Plus

 

Wärend wir „auftankten“ taten die Mopped selbiges: An einer herkömmlichen Steckdose werden ca. 11% Akkukapazität pro Studne nachgeladen. Wir kamen mit vollem Akku + 1,5 Stunden laden ca. 110km weit.

Nach dem Essen ging es dann über Clausthal-Zellerfeld zurück nach Osterode. Die sog. „Angstroute“ führte bei einigen dazu das die Mopped irgendwann hektisch anfingen zu blinken, da weniger als 10% Akkukapazität übrig waren. Bei unter 5% erinnerte es an die Lichtshow einer Kirmes 😉

Auf den letzten Kilometern sirrten wir dann noch an der Gartenparty eines „Biker-Clubs“ vorbei. Die in Leder gekleideten Typen brachen in schallendes Gelächter aus als sie die Moppeds sahen. Bei allen anderen Menschen die ihre Köpfe drehten fiel die Resonanz hingegen durchweg positiv aus. Klar, die von Wochenend-Bikern geplagten Anwohner freuten sich merklich über die nahezu lautlosen Brammos.

Nach der Tour unterhielten wir uns noch etwa und fuhren anschliessend mit Olli und Carola noch auf einen Kaffee nach Osterode.

Geiles Wochenende, oder der S.M.-Gedächtnis-Daumen!

Geiles Wochenende, oder der S.M.-Gedächtnis-Daumen!

 

Alles in allem ist die Brammo ein tolles Fahrzeug, einzig die Reichweite und der Preis sind Honderungsgründe!

Eine Akkuladung reicht nicht um von Hamburg nach Bremen zu fahren. Und um sie „nur“ in der Stadt zu nutzen ist sie wiederrum zu teuer! Ich bin jedenfalls gespannt wie das ganze in 5 Jahren aussieht!

Bis dahin fahre ich weiter Ural!

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„Ist das Gut? Nein, aber russisch!“ – Meine neue alte Ural

Durch Marc erfuhr ich vor einigen Jahren zum ersten Mal von der Existenz von Ural.

Ein großes graues Teil. Mit Seitenwagen.

Das Motorrad, nicht Marc.

Ich fand sie irgendwie interessant, mehr aber auch nicht.

 

Als ich nach Hamburg zog fing ich bei Louis an. Jeder wird jetzt natürlich an schnellen Versand und kompetente Beratug denken (oder auch nicht).  Als Mitarbeiter ist es dort jedoch auf Dauer gar nicht so toll. Zumindest nicht wenn man gerne Motorrad fährt und Wochenendtouren macht. Samstagsarbeit bis 20 Uhr macht sowas etwas schwierig bzw. unmöglich. Soziale Kontakte kamen zum erliegen, die allgemeine Motivation ebenso.

Kurzum ich war nicht mehr gewillt dort zu arbeiten.

Durch einen guten Freund wurde ich darauf aufmerksam gemacht, das in einer befreundeten Firma ein neuer Mitarbeiter gesucht wurde. Einen der Mitarbeiter kannte ich schon durch eine frühere Aktion, sodass ich spontan hinfuhr und kurz darauf einen neuen Job hatte. Mit mehr Geld, mehr Freizeit, weniger Spinnern und mehr dreckigen Fingern.

Besagte Firma beschäftigt sich mit russischen Fahrzeugen und Ersatzteilen.

Durch die Arbeit beschäftige ich mich dann natürlich sehr intensiv mit russischen Fahrzeugen, was irgendwann dazu führte das ich mit meiner Freundin und dem Gespann meines Kollegen an die Ostsee fuhr.

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Das Fahren ist durchweg roh, ehrlich und echt. Keine Assistenzsysteme, oder Ride by Wire Teile die einem vorgaukeln etwas zu können. Allerdings eben auch kein Komfort: Kein E-Starter, keine Scheibenbremsen, kein Fahrwerk. Jedenfalls keines das den Namen verdient.

Ich wette die Höhlenmenschen sind schon Ural gefahren, wenn die Mammuts mal krank waren!

Da keimte irgendwie der Wunsch auf auch sowas zu haben. Da ich kein Auto habe war natürlich schnell ein guter Grund gefunden 😉 Immerhin muss man immer mal etwas transportieren oder umziehen! Es ist zwar kein Kleinbus, aber man kann locker 3 Kisten Bier transportieren!  Oder Bobbycars.

Jedenfalls fahre ich nun seit fast 3000km ein 92er Ural 650 Inlandsgespann mit Dnepr Beiwagen.

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Anfänglich mit ungebremsten Beiwagen, was ich nun aber geändert habe: Die russischen Trommelbremsen sind eben sehr russisch. Da ist eine dritte Bremse schon eine enorme Erleichterung! Die brachialen 30 PS „beschleunigen“ das Gespann in gefühlten 60 Sekunden von 0 auf 80 ( Sie läuft lt. Tacho ~105 ). Darum geht es aber eben nicht.

Das Gespann ist eher Entschleunigung und Reduzierung. Distanzen stellen sich plötzlich ganz anders dar. Schnittgeschwindigkeiten von rund 50 km/h sind normal, alles drüber ist pure Heizerei 😉

Technisch ist es für russische Verhältnisse solide: Vernünfitge Vergaser ( mit Choke!), eine Zündspule Made in Germany, deutsche Lager, deutsche Dichtungen. Was mir noch nicht so gefällt sind die Halbnaben-Räder. Diese werden wohl im Frühjahr gegen Vollnaben getauscht. Samt Edelstahlspeichen und pulverbeschichteten Felgen. Falls nun jemand aufschreien sollte, das Edelstahlspeichen spröde und im Gespann schlecht sind: Ich bin kein „Biker“ der dreistellige Werte auf die Waage bringt.

Der Sozius Sitz wurde gegen einen kleinen Gepäckträger getauscht und auch den Beiwagen ziert nun ein selbstgebauter Träger. Steckdose für Telefon und eine russische Bordsteckdose wanderten in den Beiwagen und die eckigen Russenleuchten wurden gegen runde Hella Scheinwerfer getauscht.

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Die erste größere Fahrt ging nach Römö. 800km mit nur leichten Defekten: Ein Schwimmer war durch Salzwasser etwas fest und zwei Kontakte waren ebenfalls korrodiert. Dies schiebe ich jetzt aber mal auf das Salzwasser und nicht auf die schlechte russische Verarbeitung. Die Felgen allerdings mochten das Salz gar nicht. Hier muss ich mir dringend überlegen wie ich diese im Winter gegen Salz schütze.

Die nächste grosse Fahrt steht nämlich schon fest: Ende November geht es zu einem sehr guten Freund nach Schottland! Der Kofferraum ist bereits voll mit Ersatzteilen, getreu dem Motto: Was man dabei hat geht nicht kaputt!

In diesem Sinne: Dawai!

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